Herbstanfang

Liebe P.,

es ist Ende September 2017. Uns erreicht ein erster Schwung Herbstmelancholie. Eine Familie zu sein, macht angreifbarer als ich dachte. Die gesamte Außenwelt kennt uns besser als wir uns selbst, verortet uns oberhalb oder unterhalb der mittleren Kurve, die Auskunft über den Glücklichkeitsgrad einer Durchschnittsfamilie gibt, im Idealfall Weekendfeeling mit Erdbeergeschmack und ganz viel Liebe, Organisation und Perfektionismus in den Ritzen einer Vier-Zimmer-Altbau-Wohnung in einem gentrifzierten Stadtteil, sagen wir, Neukölln.  Weiterlesen „Herbstanfang“

Die Krähen schrei’n

Liebe P.,

draußen wird es kälter, Herbst und Winter stehen vor der Tür und ich freue mich – wie jedes Jahr – so sehr auf den grauen Himmel über Berlin. Dein Vater kann das überhaupt nicht verstehen, und die meisten anderen auch nicht. Aber dieses Grau passt eben gut nach einem solchen Jahr, das – wie jedes Jahr – so ungeheuer voll war, atemlos und ohrenbetäubend laut: Weiterlesen „Die Krähen schrei’n“

Unwort zum Sonntag

Lieber D.,

Gestern, auf einem Spielplatz an der Schillerpromenade, da fing ich die Wortfetzen eines Gesprächs zwischen zwei Elternteilen auf, während du gerade auf der Rutsche darauf wartetest, dass die Bahn frei wird. Es ging darum, wie man sein Kind am besten erziehen soll, wo Grenzen Sinn machten und welche Tugenden unumgänglich seien. Man stritt sich wohl, soweit ich das von weitem richtig verstand, um zwei Modelle, die in entsprechenden Büchern nachzulesen und richtiger seien als alle anderen.  Weiterlesen „Unwort zum Sonntag“