Hands in the Air

Liebe P., lieber D.,

ich schreibe viel zu selten, ich weiß. Es liegt daran, dass die Zeit immer knapper wird. Manchmal ist dann plötzlich eine Sekunde da, in der ich sitzen darf. Und dann atme ich und versuche, euch zuzuschauen und mich zu freuen, dass gerade nix an mir zerrt. Gestern hab ich jemanden getroffen, den ich lang nicht gesehen habe.

Er hat gefragt, wie’s mir geht und ich weiß darauf wirklich nichts zu antworten außer diese schlimme Floskel „joa ganz gut“ und das ist dann genauso, als hätte ich überhaupt nicht geantwortet – ich weiß es einfach nicht. Ich glaube aber – und das beruhigt mich – dass es euch beiden, P. und D., gerade gut geht. Corona ist ein Wort, das euch nicht mehr so große Angst macht wie am Anfang, mit den Masken habt ihr gelernt, umzugehen und wenn ihr nach Hause kommt, rennt ihr sofort ins Badezimmer und wascht eure Hände nach dem „Corona-Wash“-Prinzip, das ihr im Kinderladen gelernt habt. Das dauert etwa fünf Minuten lang, jeder einzelne Finger wird bearbeitet, und am Ende können wir sicher sein, dass die Hände ziemlich sauber und von Covid-Viren befreit sind. Trotzdem. Ich bin in so einem Schwebezustand.

Die Wolke und der Wolf

Du, P., hast heute erzählt, dass in deinem Traum unsere Sonnenblumen immer höher und höher gewachsen sind und du bist an den Pflanzen entlanggeklettert bis in den Himmel und dann hast du auf einer Wolke geschaukelt. Dann kam ein großer Wolf und hat das Maul aufgerissen, aber er hat dir nichts getan. Ja, also, irgendwie fühl ich mich so ähnlich. Der Traum ist ja nicht nur schlecht, auf Wolken schaukeln macht ja Spaß, denke ich, und die Farben da oben sind wahrscheinlich auch überwältigend. Aber der Boden ist so weit entfernt und dieses aufgerissene Maul macht mich auch ständig nervös.

Meine Stimme zitterte nicht mehr

Einmal, kurz vor dem wohl größten und auch verhängnisvollsten Auftritt, den ich je hatte, war ich ziemlich aufgeregt und eine alte Freundin aus Schulzeiten, die inzwischen eine großartige Schauspielerin ist, lud mich zu sich ein, damit ich bei ihr die Generalprobe für die Lesung machen kann. Ich las und meine Stimme zitterte dabei. Dann krabbelte sie unter den Tisch, legte ihre Hände auf meine Füße, drückte so fest sie konnte und sagte, ich solle jetzt nochmal lesen. Meine Stimme zitterte jetzt nicht mehr. Ich war ganz ruhig.

Das Lachen nicht verlieren

Ich denk da gerade oft dran und wünsch mir solche Gewichte auf den Füßen, um irgendwie die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Passiert wahrscheinlich oft, wenn man in diesem Funktionieren-Modus ist. Ach, ihr zwei, ich hoffe sehr, dass ihr dahin niemals kommt. Dass ihr euer Lachen nicht verliert und dass ihr immer bei euch bleibt, ganz egal, was alles gleichzeitig von euch verlangt wird. Und dass ihr wisst, wann ihr „nein“ sagen müsst. Das wünsch ich euch sehr.

Alle Songs

Nächste Woche beginnt der September. Gut, einerseits. Das ist mein Lieblingsmonat, weil es da so viel zu feiern gibt. Und andererseits gibt es da in diesem Jahr vor allem viel zu arbeiten. Ich hoffe sehr, dass das Feiern im Vordergrund stehen wird und dass wir viel singen und tanzen und wisst ihr was? Ich verlinke euch hier mal alle Songs und Stücke, die ihr beide gerade ständig hören wollt. Damit ihr sie nicht vergesst und abrufen könnt, wenn ihr mal größer seid!

Pilocka Krach, Hands in the Air

Peter, Bjorn and John, Young Folks

Lumineers, Hey Ho

Jay-Z, Hard Knock Life

Pharell Williams, Happy [Dance Edition]

 

Ein Kommentar zu “Hands in the Air

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