Arktisch

Liebe P., lieber D.,

Berlin am 7. Januar 2021. Ich komme nicht mehr zum Briefeschreiben. Viel zu viel Zeit ist vergangen. Die Tage sehen seit Ewigkeiten gleich aus: Ich stehe zwischen sechs und halb sieben auf, nachdem du, P., so unruhig bist und mir andauernd in den Arm kneifst, wie du es als ganz kleines Baby schon gemacht hast. Du sagst: „Es ist schon Morgen.“ Was so viel heißen soll wie: Aufstehen. Jetzt sofort. Kaffee machen (du meinst Milch}. Und aus dem Fenster gucken. Wir hören dann Deutschlandfunk übers Handy. Jeden Morgen. Neue Coronazahlen. Neue Tendenzen. Weiterlesen „Arktisch“

Hands in the Air

Liebe P., lieber D.,

ich schreibe viel zu selten, ich weiß. Es liegt daran, dass die Zeit immer knapper wird. Manchmal ist dann plötzlich eine Sekunde da, in der ich sitzen darf. Und dann atme ich und versuche, euch zuzuschauen und mich zu freuen, dass gerade nix an mir zerrt. Gestern hab ich jemanden getroffen, den ich lang nicht gesehen habe. Weiterlesen „Hands in the Air“

In der Begrenzung wird uns bewusst, was Freiheit überhaupt ist

Liebe P., lieber D.,

in den ersten Mai-Tagen gibt es April-Wetter. Regen, Sonne, Regen, Sonne. Ihr schreit dreimal „Regenbogen!“. Steht dabei auf Stühlen, die ihr ans Fenster geschoben habt. Zeigt auf den bunten Bogen am Himmel, der wie ein Hoffnungsschimmer ist und viel zu schnell verschwindet. Weiterlesen „In der Begrenzung wird uns bewusst, was Freiheit überhaupt ist“

Rosa oder Blau. Prinzessin oder Ritter. Echt jetzt?

Liebe P., lieber D.,

was läuft denn da schief? Wie unfassbar viel wir immer sprechen, diskutieren, herleiten, feststellen: Gewisse Zeiten seien doch längst vorbei! Frau am Herd, Mann im Büro. Frau im Kleid, Mann in Hose. Frau ganz schwach, Mann ganz stark… Das alles habe mit der Gegenwart doch nicht mehr das Geringste zu tun. Unsere Gesellschaft habe es geschafft. Frauen und Männer seien nahezu gleichberechtigt. Der Kampf sei so gut wie vorbei… Weiterlesen „Rosa oder Blau. Prinzessin oder Ritter. Echt jetzt?“