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Lieber D,

gewichtige und glitzernde Tage liegen hinter uns. Du bist „twei“ geworden. Und alle waren da. Deine großen und kleinen Freunde, Onkel, Tante, Neffe, deine Omas und Opas, die ich selbst auch dir gegenüber lieber mit Vornamen anspreche, weil sie mir gar nicht so alt vorkommen, wie diese Worte „Oma“ und „Opa“ immer so meinen…

Du hattest am Montag Geburtstag, einem gewöhnlichen Werktag also. Und doch schien die Welt für dich wie ausgehebelt. Die Straßen von Neukölln und das Tempelhofer Feld waren voller als sonst an Montagen. Und auch darüber hinaus. Irgendwie feiert dich die ganze Stadt.

Wir haben Bilder aufgehängt. Fotos von deinem ersten Kita-Ausflug in den Dinopark. Aber auch Bilder von dir, als du so um die sieben Monate alt warst. Und deine ganzen Kunstwerke, die bunten Kritzeleien, die meistens Hunde und Bäume sein sollen. Gelb magst du besonders gerne, überall sind eckige Sonnen.

Ich habe noch in der Nacht zuvor das Wohnzimmer dekoriert und zwei Kuchen gebacken. Am nächsten Morgen ging es weiter. Du hast sofort gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Hast dem Tag am Anfang noch nicht so richtig getraut. Bis dann die ersten Gäste kamen. Wenn es nämlich an der Tür klingelt, dann gibt es für dich kein Halten mehr. Dann springst du auf und schreist ganz laut, als hätte sich die Wand hin zu einem riesigen Spielplatz geöffnet. Du stehst also an der Treppe und wartest. Manchmal, wenn jemand irrtümlich geklingelt hat, bist du minutenlang nicht zu beruhigen, weinst und strampelst, weil du doch so unfassbar gerne Besuch empfängst.

An deinem Geburtstag klingelt es ständig, und du schreist und grinst und lachst – alles gleichzeitig. Und ich schaue dir zu, wie deine blonden Haare beim Sprint zur Tür durch die Luft wirbeln.

Du bist ein unglaublicher Mensch, mein lieber D. Wie du mit deinen nun zwei Jahren auf und über alles kletterst, was dir in den Weg kommt. Wie stur du dir nimmst, was du brauchst, um für diesen einen Moment vollkommen zufrieden zu sein. Wie du jeden Abend deine kleine Schwester in die Arme schließt, sie ganz lange festhältst und auf deine Art mit ihr sprichst. Wie klar du dich für Geräusche entscheidest, die du magst (den Bagger, den Staubsauger, die Waschmaschine, die Müllabfuhr) und solche, die du nicht ausstehen kannst (die Bohrmaschine aus der Nachbarswohnung). Wie du mit einem Buch in der Hand dich vor einen von uns stellst und dann langsam rückwärts gehst, damit wir dich schließlich auf den Schoß hieven und mit dir zusammen lesen und Bilder ansehen und darüber hinaus noch Geschichten erfinden, während der Regen gegen das Fenster prasselt und einen gemütlichen Winter ankündigt.

Du öffnest ein Geschenk nach dem anderen. Ich sehe dir dabei zu, wie du jubelst und lachst und alle ansteckst mit deinem Strahlen. Lieber D., ich hab dich unendlich lieb. Happy Birthday.

Deine A.

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